Bildbearbeitung - Böhmke Fotografie

Böhmke Fotografie
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Bildbearbeitung

Das aktuell bekannteste aller Programme zur Bildbearbeitung dürfte Adobe Photoshop sein. Es erschlägt den Anwender mit einem nicht zu überbietenden Funktionsumfang. Die vielen Funktionen haben die Software auf mittlerweile gut 1,5 Gigabyte aufgebläht und wollen natürlich erst einmal erlernt und begriffen werden. Von vielen Anwendern wird es eingesetzt, weil angeblich „alle Profis damit arbeiten“. Meiner Meinung nach ist es jedoch völlig irrelevant, mit welchem Werkzeug gearbeitet wird, da am Ende der Verarbeitung immer ein Standard-Format wie JPG oder TIF steht. Dann zählt nur das Ergebnis. Außerdem kann bei der Auswahl einer brauchbaren Bildbearbeitungs-Software auch der Preis eine Rolle spielen: Photoshop gehörte schon immer zu den teuersten Programmen seiner Art. Durch die Einführung eines Miet- oder Abonnement-Modells wurde dies zwar ein wenig gedämpft, allerdings bringt solch ein Modell neue Nachteile mit sich (z. B. bei Unterbrechung oder Abbruch des Abos). Ein großer Vorteil Photoshops ist, dass es hervorragend dokumentiert ist. Es gibt unzählige Bücher, Tutorials und Video-Anleitungen; sowohl online wie auch als Buch oder DVD über den Buchhandel.
Der kleine Bruder Adobe Photoshop Elements ist deutlich preisgünstiger. Elements ist weiterhin als Kaufsoftware verfügbar und jährlich erscheint ein Update. Wegen meist nur marginaler Verbesserungen (manchmal auch Verschlimmbesserungen) ist es meist ausreichend, nur jedes dritte oder vierte Update mitzumachen. Im Hintergrund arbeitet in weiten Teilen das gewöhnliche Photoshop, das in seinen Funktionen künstlich abgespeckt wurde. Einige lassen sich durch Skripte cleverer Programmierer jedoch wieder freischalten. Ein Beispiel dafür ist Elements XXL. Mit einem Preis von rund 50 $ kostet es leider fast genauso viel wie ein Elements-Update. Außerdem ist es nur in Englisch verfügbar, aber immerhin gibt es eine deutsche Online-Bedienungsanleitung.
PS Elements richtet sich klar an Einsteiger, das zeigen schon die vielen Assistenten und Automatikfunktionen. Dennoch kann es auch für fortgeschrittene Anwender, die den Hauptteil ihrer Foto-Aufbereitung im Raw-Konverter erledigen, eine preisgünstige, sinnvolle Ergänzung sein. Auch ich setzte viele Jahre darauf, weil ich das große Photoshop für mich neben dem hohen Preis als ein mit Kanonen auf Spatzen schießen ansah. Mit anderen Programmen, wie The GIMP, Corels Paintshop oder den Bildbearbeitungen von Magix, Cyberlink und anderen – eher exotischen – konnte ich mich trotz teilweise langer Testphasen am Ende nicht anfreunden.
Einzige Ausnahme war einige Zeit das aus deutschen Landen stammende Programm Photoline. Vom Umfang her ist es zwischen dem kleinen und dem großen Photoshop angesiedelt (meiner Meinung nach sogar näher am großen, weil viele „professionelle“ Funktionen implementiert wurden, wie z. B. die 16-Bit-Verarbeitung und CMYK). Die Lizenzbedingungen sind sehr viel fairer: Nach einem bis zu 30 Tage langen Test kostet die Vollversion 59 Euro oder spätere Updates jeweils 29 Euro. Auch nach Ablauf der 30 Testtage ist es benutzbar, unterbricht den Arbeitsfluss dann aber mit Pausen und Einblendungen. Aus Fairness gegenüber den Entwicklern sollte man es dann also lizensieren.
Die Oberfläche wird von manchen Kritikern als altbacken hingestellt, sie ist jedoch sehr übersichtlich und kompakt, verschwendet also nicht unnötig Platz, wie viele neumodischer auftretende Konkurrenten. Gerade wegen dieser altmodisch anmutenden Oberfläche lässt sich Photoline für mich besonders gut bedienen; viel schneller als z. B. Elements, das für mich über die Jahre immer unergonomischer wurde. Natürlich muss man auch bei Photoline den zunächst unüberschaubar anmutenden Funktionsumfang einigermaßen durchschaut haben. Bei den ersten Anläufen vor einigen Jahren gelang mir das noch nicht und ich blieb bei PS Elements. Nachdem ich mich dann aber wieder einmal – diesmal offenbar geduldiger – damit beschäftigte, lernte ich seine Qualitäten kennen und registrierte es auch.
Erstaunlich: Photoline braucht auf der Festplatte nur wenige zehn Megabyte Speicherplatz und es lässt sich problemlos sogar vom USB-Stick aus einsetzen. Dabei läuft es auf aktueller Hardware rasend schnell, selbst vom Stick. Neben der reinen Pixelbearbeitung bietet es sogar brauchbare Vektor-Techniken an. Das reicht vielleicht nicht für den Satz umfangreicher Zeitschriften, aber es lassen sich damit schnell z. B. Glückwunschkarten oder Flyer ohne weitere Spezial-Software gestalten. Meine Empfehlung lautet also, Photoline unbedingt einmal auszuprobieren. Viereinhalb Sterne!
Einen echten Senkrechtstarter stellt Affinity Photo dar. Innerhalb zweier Jahre entwickelte es sich aus dem Nichts für viele Anwender zum einzigen echten Photoshop-Konkurrenten. Zunächst nur für den Mac verfügbar, ist es seit 2017 auch für Windows erhältlich. Der Hersteller Serif ist auf dem Markt kein Unbekannter, hat diese neue Software aber völlig neu entwickelt, ohne irgendwelche Altlasten mitzuschleppen. Wie oben schon erwähnt, gehöre ich nicht zu denen, die Photoshop wirklich brauch(t)en. Deswegen ist es – entgegen den Nörgeleien vieler alter Photoshop-Anwender – für mich sehr wohl eine richtig gute Alternative. Zum einen ist es ohne Abo-Modell zu bekommen – und dazu noch sehr preiswert. Zum anderen hat es eine schöne, schlichte und schnelle Oberfläche, an die ich mich sehr schnell gewöhnte. Schließlich beginnen sich Buch- und Video-Tutorial-Autoren für Affinity zu interessieren, so dass in der kurzen Zeit, die es die Software gibt, schon zahlreiche Veröffentlichungen darüber gibt. Entdeckt hatte ich Affinity Photo über den Affinity Designer. Dieser hatte mir ein halbes Jahr zuvor von etlichen Vektorgrafik-Programen am besten gefallen. Wer parallel mit der Vektorgrafik-Software Affinity Designer arbeitet, wird sich über das gute Zusammenspiel der beiden freuen. (Interessant ist auch die mittlerweile dritte Software im Bunde: Der Affinity-Publisher, ein DTP-Programm.)
Nicht uninteressant war auch die NIK-Collection; ganz besonders, seit Google sie übernommen hatte und später sogar kostenlos zur Verfügung stellte. Es handelte sich dabei um eine Plugin-Sammlung von sieben Filtern, die in jedes photoshopkompatible Programm eingebunden werden konnte. Eigentlich waren es sogar acht Filter, denn der Sharpener bestand aus zwei unabhängigen Modulen für unterschiedlichen Einsatz. Ein Nachteil der NIK-Collection war, dass sie nicht weiter entwickelt wurde.
Das änderte sich im Herbst 2017: Google verkaufte die NIK-Collection an DxO. Teile  daraus (wie die U-Point-Technologie) arbeitete DxO parallel in die Raw-Software PhotoLab ein. Die NIK-Collection wird seit der Übernahme wieder fleißig weiter entwickelt. Nach Version 2 und 2.5 ist der aktuelle Stand (Mitte 2020) Version 3. In diese Version arbeitete DxO als neuen, achten Filter das eigene Programm Viewpoint ein, hier heiß es allerdings Perspektive Efex.
Mit rund 150 Euro scheint die NIK-Collection nicht ganz billig, ist jedoch ungleich günstiger als die ursprüngliche Filtersammlung, die 10 Jahre zuvor fast fünfmal soviel kostete. Außerdem kann sie während vieler Sonderaktionen rund ein Drittel günstiger bezogen werden. Updates kosten meist rund 60 % der Vollversion.
Über besondere Angebote lernte ich ich außerdem einige Spezial-Programme aus dem Franzis-Verlag kennen. Zu den Normalpreisen sind sie meist maßlos überteuert, über den Newsletter oder wenn man schon einmal etwas registriert hat, bekommt man jedoch erhebliche Preisnachlässe, die das Preisleistungsverhältnis in sehr gute Bereiche verschieben. Leider gelten diese Angebote oft nur sehr kurzfristig. Doch zu den Programmen:
Cutout (aktuell Version 9) ist ein Freistellungswerkzeug. Freistellungen lassen sich sicherlich auch gut mit anderen Programmen erledigen, mit Cutout geht es jedoch sehr bequem und schnell.
Photozoom ist ein sehr gutes Hilfsmittel, um Fotos zu vergrößern. Solch ein interpolierendes Verfahren sollte man, wann immer möglich, vermeiden – wenn es sich denn aber nicht vermeiden lässt, arbeitet dieses Werkzeug meiner Meinung nach deutlich besser als Photoshop und andere.
Black & White Projects ist kein Programm, das man notgedrungen braucht, um Farbfotos in schwarzweiße umzuwandeln. Aber auch hier gibt es viele spezielle Funktionen, die Universalprogramme nicht bieten, wie beispielsweise die Nachbildung spezieller Filmemulsionen.
Einzelfotos, die mit verschiedenen Entfernungseinstellungen fotografiert wurden, können mit Hilfe von Focus Projects zu einem Foto mit hoher Schärfentiefe verrechnet werden. Insbesondere bei Nahaufnahmen können auf diese Weise Fotos entstehen, die mit einem einzigen Foto so nicht machbar gewesen wären. Wer Affinity Photo besitzt, benötigt diese zusätzliche Software nicht mehr.
Allen Franzis-Produkten ist gemein, dass ihre Benutzeroberflächen recht ungewöhnlich sind – bei regelmäßiger Arbeit damit kann man sich jedoch schnell daran gewöhnen. Seit ich Affinity Photo sowie die DxO-Programme kennen und schätzen lerne, muss ich gestehen, bis auf Photozoom die Franzis-Werkzeuge immer seltener einzusetzen, denn die neuen lassen (mich) nichts vermissen.



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