MFT-Kameras - Böhmke Fotografie

Böhmke Fotografie
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MFT-Kameras

Wie im übergeordneten Abschnitt ausführlich begründet, halte ich Micro Four Thirds für hochinteressante Systemkameras.  In früheren Versionen dieses Abschnittes hatte ich an dieser Stelle noch einzelne Kameragehäuse dieser Kamera-Gattung beschrieben. Leider gibt es für praktisch alle Kameramodelle rund ein Jahr nach ihrem Erscheinen einen Nachfolger und etwa ein weiteres Jahr später verschwinden sie selbst wieder vom Markt. Von den Modellen, die ich 2015 in der Erstausgabe dieses Artikels beschrieb, kann man seit spätestens Ende 2017 keines mehr neu kaufen. Deswegen reiße ich hier nur noch die verschiedenen Baureihen an, ohne auf jedes einzelne Modell detailliert einzugehen.
Bei der Baureihen-Entwicklung zeichnen sich zwei Trends ab:
  1. Neue Modelle, die durch technische Weiterentwicklung überzeugen, welche allerdings zu teils deutlich bis drastisch höheren Preisen führt – insbesondere, wenn sich die Neuerungen (auch) auf mechanische Eigenschaften wie Gehäusematerial und Wasserdichtigkeit erstrecken.
  2. Neue Modelle, die gegenüber den Vorgängern abgespeckt sind – nicht nur in der Ausstattung sondern auch in der Verarbeitung (z. B. mehr Platik statt Metall am Gehäuse). Manchmal führt das zu niedrigeren Preisen, manchmal wird das neue Modell jedoch auch einfach zum gleichen Preis schlechter.
Kameras mit MFT-Sensor werden als spiegellose Systemkameras von zwei Herstellern gebaut: Olympus und Panasonic. Die beiden Hersteller bieten im MFT-System Kameras aus zwei Kategorien an: Zum einen die größer gebauten Modelle, die äußerlich an klassischen Spiegelreflex-Kameras orientiert sind, zum anderen die kleineren, eher an Kompaktkameras orientierten Modelle. Die Kleinen kommen oftmals ohne Sucher. Für die ernsthafte Fotografie sind sie meiner Meinung nach nicht geeignet, da selbst die besten Displays beim Einsatz im direkten Sonnenlicht kaum erkennbar sind! Auch von Aufsteck-Suchern halte ich nichts, weil man dann der Möglichkeit beraubt wird, gleichzeitig ein brauchbares Blitzgerät zu benutzen.
Bot Panasonic bis vor einigen Jahren meist ein wenig mehr im Bereich Video, so hat Olympus hier seit 2015 deutlich aufgeholt. Fotografen, denen Video nicht wichtig ist, können auch bedenkenlos zu älteren Olympus-Kameras greifen. Die Sensoren liegen bei beiden Firmen auf ähnlichem Niveau. In Tests älterer Modelle lag Olympus meist ein wenig vorn, sie konnten aus den Objektiven oft ein klein wenig mehr Auflösung herausholen. Bei den aktuellen Modellen hält sich das stärker die Waage: Mal liegt das eine, mal das andere in einem Parameter einen Hauch vorn. Wurden zuletzt fast ausschließlich 16-Megapixel-Sensoren verbaut, so tauchte im Sommer 2015 der erste 20-Megapixel-Sensor in der Panasonic Lumix DMC-GX8 auf, Olympus folgte Anfang 2016 mit der Pen F und 2017 mit der OM-D E-M1 Mark II. Inwieweit der Megapixel-Wahn zu einer Verbesserung der Bildqualität führt, sei dahingestellt – ich wünschte mir statt immer höherer Pixelzahlen eine Erhöhung der sinnvoll nutzbaren Lichtempfindlichkeit. Laut der Messungen von DxOMarks soll jedoch zumindest der Sensor der Olympus E-M1 Mark II auf dem Niveau eines APS-C- bzw. DX-Sensors liegen.
Nun aber zur Vorstellung der konkreten Baureihen.
 
Panasonic Lumix DSC-GX
Panasonixs GX-Baureihe ist optisch angelehnt an alte Reporter-Kameras.
Die GX-7 war ab 2013 ein wunderschönes Modell: kompakt und unauffällig. Mit ihrem gut verarbeiteten Magnesium-Gehäuse lag sie richtig gut in der Hand. Als Alleinstellungsmerkmal verfügte sie über einen klapparen, elektronischen Sucher. Die Bildqualität war erstaunlich knackig und in den Tonwerten sehr fein abgestuft. Rauschen ließ sich aus den Rohdaten bis etwa ISO 1600 gut eliminieren; um ISO 3200 wurde es kniffliger, blieb aber machbar. Im Prinzip galt/gilt dies jedoch für praktisch alle MFT-Kameras. ISO 6400 und mehr sollte man aus meiner Erfahrung heraus nicht nutzen!
Unter dem Strich lieferte die GX-7 Kamera, mit entsprechender Optik bestückt, technisch kaum schlechtere Fotos als eine DSLR mit APS-C- (DX-) Sensor gleicher Auflösung – der ja immerhin fast die doppelte Fläche aufweist. Auch die Videoqualität war überraschend gut. Lediglich ein Eingang für die Zuschaltung eines externen Mikrofones fehlte.
Leider wurde die Produktion der GX7 recht schnell eingestellt, so dass sie als Neuware seit dem Frühjahr 2016 nicht mehr erhältlich war. Zwei direkte Nachfolger lösten sie ab: Seit Sommer 2015 die GX8, sowie etwas später die GX80, welche aber als stark abgespeckte, billig verarbeitete Sparversion anzusehen war, die mir persönlich nicht gefiel. Der erstmal von Panasonic eingesetzte 5-Achsen-Stabilisator jedenfalls hätte für mich als Kaufargument nicht ausgereicht.
Die GX8 war eine in Teilbereichen weiter verbesserte Nachfolgerin der GX7. Beim generalüberholten Sensor wurde die Auflösung auf 20 Megapixel erhöht. Das Gehäuse bestand wieder aus einer Leichtmetall-Legierung und war nun zusätzlich abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser. Die GX8 war spürbar größer als ihre Vorgängerin, hatte einen stärker ausgeprägten Handgriff und lag dadurch noch besser in der Hand. Im Videobereich bot sie 4K (wer's denn bei solch einer Kamera braucht ...). Das nur auf einer Achse schwenkbare Display wurde in ein voll bewegliches umgewandelt. Bei anderen Kameras hatte ich diese Art des Displays in vielen Situationen zu schätzen gelernt. Zu den weiteren Neuerungen der GX8 zählt der Mikrofon-Eingang, der leider als 2,5-mm-Exot ausgeführt war und einen Adapter nötig werden ließ. Auf einen eingebauten Blitz wurde erfreulicherweise verzichtet. Auch die GX-8 ist als Neugerät mittlerweile Geschichte.
Ob die neueste GX-9 an die Qualitäten der GX-8 anzuknüpfen kann, vermag ich (noch) nicht zu sagen – die GX800 jedenfalls kann es auf gar keinen Fall. Hier wurde zugunsten eines niedrigen Preises sogar der Sucher weggespart. Diese Kamera hat mit der eingangs beschriebenen GX-7 leider kaum noch etwas gemeinsam.
 
Olympus PEN
Auch diese Baureihe bietet recht kompakte, interessant gestaltete Kameras (eine Mischung aus „Retro“-Look und modernen Anklängen). Bislang kamen sie für mich nicht in Frage, weil ich kein Freund sucherloser Kameras bin. Auch optional einsetzbare Aufstecksucher mag ich nicht: Sie belegen den Blitzschuh und sind meist so teuer, dass man auch gleich ein Modell mit eingebautem Sucher anschaffen kann.
Mit der im Frühjahr 2016 vorgestellten Pen F änderte sich das: Nun ist ein elektronischer Sucher hoher Qualität (groß, hell und klar) eingebaut. Auf einen eingebauten Blitz wurde verzichtet. Stattdessen verfügt die Kamera über einen Blitzschuh und es wird ein kleiner Systemblitz beigelegt, der zwar über eine niedrige Leitzahl verfügt, dessen Kopf aber immerhin wie ein großer voll kipp- und schwenkbar ist. Seinen Strom bezieht er aus der Kamera. Im Bereich weniger Meter kann dieser kleine Begleiter ein durchaus brauchbares Hilfsmittel sein – brauchbarer jedenfalls als die üblichen, festverbauten Miniblitze. Davon abgesehen verfügt die Kamera über eine Ausstattungsvielfalt, die ich hier kaum  in wenigen Worten beschreiben kann. Auch technisch ist sie auf der Höhe der Zeit: u. a. wurde ihr – als zweiter MFT-Kamera – ein 20-Megapixel-Sensor spendiert.
Die Verarbeitungsqualität mutet mit ihrem offenbar aus einem Stück gefrästem Leichtmetallgehäuse sehr wertig an. Allerdings ist sie nicht wetter- und staubgeschützt. Auch hätte ihr bei der kompakten Bauweise zumindest die Andeutung eines Handgriffes gut getan. Trotz aller guten Eigenschaften nehme ich sie nicht so gern in die Hand, wie die Panasonic-Kameras GX7 oder GX8. Ein Handgriff ist zwar als optionales Zubehör lieferbar, erhöht den meiner Meinung nach schon nicht günstigen Grundpreis um weitere, nicht angemessene 120 Euro. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ist das aus meiner Sicht nicht unbedingt.
 
Olympus OM-D
Diese Bauform ähnelt äußerlich (Retro-) SLRs, ist jedoch wie alle MFT-Kameras spiegellos. Die Bauform erinnert stark an Olympus' alte Analog-Baureihe OM aus den 1970er Jahren. Dies waren damals neben der M-Reihe von Pentax die kleinsten SLRs am Markt; und auch die aktuellen digitalen Modelle sind kaum größer als Kameras im Kompakt-Stil.
Die Baureihe OM-D ist in drei Gruppen unterteilt:
E-M1: Das Top-Modell mit feinster, aktuellster Technik, super Verarbeitung und kompletter Ausstattung für den Profi (auch die Preise!).
E-M5: Die Mittelklasse, die bis auf kleine Unterschiede (etwas weniger aufwändige Verarbeitung u. Ausstattung), der Top-Klasse kaum nachsteht.
E-M10: Die Einsteigerklasse, gegenüber E-M5 weiter abgepeckt aber – besonders bei den neueren Modellen – mit kaum schlechterer Bildqualität als die größeren Modelle.
Neue Modelle bekommen in der Bezeichnung von Olympus einfach ein „Mark II“, „Mark III“ usw. angehängt, das ist deutlich übersichtlicher als der Bezeichnungs-Wirrwar bei Panasonic.
 
Panasonic DMC-G
Die G-Baureihe ist Panasonics Pendant zu Olympus' kleineren M10-Modellen. Etwas größer gebaut, aber deutlich schlechter verarbeitet, reichte die Bildqualität der älteren Modelle meist nicht ganz an die der Olympus-Konkurrenz heran. Zum Ausgleich waren sie deutlich besser videotauglich. MIt der G81 und mehr noch G91 hat Panasonic jedoch deutlich aufgeschlossen.
 
Panasonic DC-GH
Dies waren bislang Panasonics Highend-Kameras. Neben sehr guten Eigenschaften für die Fotografie waren sie auch ausgesprochen gut für – auch professionelle – Videoproduktionen geeignet. Aktuell scheint Panasonic die Schwerpunkte Fotografie und Video im Topklasse-Bereich auf zwei Produktlinien zu verteilen: Wird die GH-5S das Top-Modell für Videofilmer, so soll die G9 das Topmodell für den Fotografen sein.
Rein optisch unterscheidet die GH-Kameras kaum etwas von kleineren Vollformat-Kameras, ganz besonders, wenn sie mit dem zugehörigen Batterie-Handgriff ausgestattet sind. Trotz des kleinen Sensors wurden sie wohl so groß, weil sie mit aller nur erdenklicher Ausstattung vollgestopft sind. Der Vorteil der Größe: Diese Gehäuse liegen genauso gut in der Hand wie Vollformat-Kameras und lassen sich wunderbar bedienen. Bei den deutlich kleineren Olympus-Kameras ist das Handling für mich nicht so perfekt. 2020 ist das Modell GH-5 aktuell.
Panasonic DC-G
Eine weitere Highend-Line schuf Panasonic mit der Produktlinie DC-G. Spricht die DC-GH-Linie eher Videografen an, so wurde diese neue Linie für Fotografen optimiert. Das erste Modell, die aktuelle DC-G9, wurde zu einer der besten MFT-Kameras überhaupt. Nachdem der Preis fürs Gehäuse von fast 2.000 Euro zum Einstand auf aktuell etwa die Hälfte gesunken ist, wurde sie auch für anspruchvolle Hobby-Anwender interessanter.


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