Zubehör – 2. Teil - Böhmke Fotografie

Böhmke Fotografie
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Zubehör – 2. Teil

Im ersten Zubehör-Abschnitt wurden Kamera-Ergänzungen beschrieben, die eigentlich zwingend notwendig sind. In diesem zweiten Teil geht es um Zubehör, das zunächst nicht unbedingt jeder benötigt. Irgendwann, wenn sich spezielle Interessen entwickeln, wird dann jedoch über kurz oder lang das eine oder andere weitere Zubehör nötig..
Stativ
Wer scharfe Fotos wünscht, darf nicht verwackeln. Ab einer bestimmten Belichtungsdauer, die abhängig ist vom Abbildungsmaßstab bzw. der Objektivbrennweite sowie der persönlichen Konstitution, ist Verwackelung jedoch garantiert. Daran ändern auch Stabilisatoren, wie sie in moderne Kameras und/oder Objektive eingebaut werden, nichts – sie verschieben die Grenze lediglich ein wenig. Im Bereich von zehntel Sekunden und länger führen Freihand-Belichtungen zwangsläufig zu Unschärfen.
Dagegen hilft nur ein Stativ. Wie in so vielen Bereichen der Fotografie ist das Angebot hier schier unüberschaubar. Das mag damit zusammenhängen, dass die Anforderungen an ein Stativ extrem widerspüchlich sind. Es soll stabil sein und eine hohe Traglast haben (bei langen  Teleobjektiven muss zusätzlich zum hohen Grundgewicht u. U. noch die Hebelwirkung berücksichtigt werden!). Daneben soll es aber am besten nichts wiegen. Dann ergeben sich Fragen nach dem genauen Einsatzzweck. Wird es nur bodennah oder auf einer Tischplatte eingesetzt? Muss es, beispielsweise für vogelperspektivenähnliche Fotos, sehr hoch sein? Soll es für Nahaufnahmen (Makrofotografie) eingesetzt werden oder für Landschaftsaufnahmen? Soll eine kleine Reisekamera zum Einsatz kommen oder eine Vollformatkamera mit Super-Telezoom? Kommt es nur im Studio zum Einsatz, wird es mit dem Auto zum Ziel transportiert oder steckt es über 30 km Fußmarsch im Rucksack?
Wie der letzte Absatz vermuten lässt, ist der Kauf  Kauf eines Statives ist immer  mit Kompromissen verbunden. Die optimale Erfüllung eines Parameters behindert andere Parameter. Deswegen benötigen auf vielen Feldern engagierte Fotografen oft auch mehrere Stative.
Universellen Charakter haben Reisestative, wenn sie nich zu klein sind. Zum Einstieg sind solche Modelle vielleicht sogar am besten geeignet. Größere oder Spezial-Stative (und Stativköpfe) kann man dann später noch zusätzlich anschaffen.
Ob das Material ein Leichtmetall (Aluminium oder Magnesium) ist oder Carbon, ist Geschmackssache. Meist sind nur die ausziehbaren Beine aus Carbon und das Gesamtgewicht ist nur unwesentlich niedriger als bei einem ansonsten gleich gebauten Modell. Der Nachteil von Carbon, dass es bei Überlastung schnell einmal bricht, wiegt vielleicht höher. Die Preise zwischen Alu und Carbon unterscheiden sich mittlerweile kaum noch. Holzstative können eine gute Wahl sein, sind jedoch meist deutlich sperriger.
Auch der Anzahl der Beinsegmente sowie dem Vorhandensein (oder Fehlen) einer Mittelsäule sollte man Beachtung schenken. Je mehr Segmente ein Stativbein hat, desto geringer ist i. d. R. das sogenannte Packmaß. Bei weniger Segmenten wird es logischerweise länger, andererseits beschleunigt sich aber a) die Aufbauzeit des Stativs und b) seine erhöht sich seine Stabilität. Letzteres gilt auch für das Fehlen einer Mittelsäule! Sie würde das Stativ zwar universeller einsatzbar machen, aber zusätzlich auch schwerer. Für spezielle Einsatzgebiete (z. B. Repro- und Makrofotografie) kann eine Mittelsäule jedoch deutliche, praktische Vorteile haben; insbesondere, wenn sie auch quer einsatzbar ist.
Stativköpfe
Bislang ging es praktisch nur um das eigentliche Dreibein-Gestell. Auf ihm soll nun aber noch die Kamera befestigt werden. Als eine Art Adapter dazwischen dient der Stativkopf, den es – Leserinnen und Leser ahnen es schon – in vielen, vielen Ausführungen gibt. Der perfekte Kopf wurde noch nicht erfunden, denn auch hier sind die Anforderungen vielfältig bis widersprüchlich. Im Prinzip gilt auch für den Kopf das oben, im zweiten Absatz Gesagte.
Die meisten Stative werden mit einem Kugelkopf ausgerichtet. Er ist universell einsetzbar und die Kamera ist mit ihm schnell ausgerichtet. Grundsätzlich muss nur ein Feststellknopf bedient werden. Für die Einstellung der Festigkeit der Kugel gint es oft einen zweiten Einsteller, für das Drehen in der horizizontalen Ebene, beispielsweise für Panorama-Aufnahmen, einen dritten.
Etwas umständlicher, dafür aber präziser, sind 3-Wege-Neiger (3-D-Neiger). Hier hat jede der drei räumlichen Ebenen einen eigenen Einstellknopf. Nacheinander kann die Kamera für jede Ebene aufs Objekt ausgerichtet werden. Diese Art Neiger ist meist sperriger und schwerer als ein Kugelkopf. Nochmals klobiger (und schwerer) sind dann Getriebeneiger, die allerdings auch nochmals präziser arbeiten.
Schließlich existieren spezielle Vidoneiger (2-D-Neiger), die meist über eine Fluid-Dämpfung verfügen und butterweiche Horizontal- oder Vertikal-Schwenks zulassen. Erkennbar sind sie meist an den sehr langen Führungshebeln.
Für speziellere Anwendungen, wie z. B. die Panorama-Fotografie können weitere, andere Hilfsmittel nötig werden. Das kann im einfachsten Fall eine Panorama-Drehplatte sein, die sich nur in der horizontalen Ebene drehen lässt; wahlweise stufenlos oder in einer festgelegten Rastung. Das kann aber auch ein komplexer, aus mehreren Einzelteilen bestehender Aufbau sein, mit dem sich räumliche 360-Grad-Ansichten erstellen lassen. Mür den Makro-Bereich empfiehlt sich die Anschaffung eines Einstellschlittens. Die billigen China-Importe sind nach meinen Erfahrungen ungeeignet. Besonders, wenn es in der Abbildungsmaßstab in Richtung 1:1 oder größer geht, kann eine präzise Bildeinstellung sehr nervenaufreibend sein. Deutlich(!) besser arbeiten hier Produkte deutscher Anbieter, wie beispielsweise Novoflex.
Mit den Stativköpfen ist es wie mit den Stativen, meist benötigt der Foto- oder Videograf mehrere verschiedene für die unterschiedlichen Einsatzgebiete. Aus diesem Grund ist es wichtig, nur Stative zu kaufen, bei denen der Kopf auch wirklich abnehmbar ist. Kopf und Stativ sollten für beste Kompatibilität immer mit einem 3/8-Zoll-Gewinde ausgestattet sein. Manchmal sehe ich an dieser Stelle jedoch auch die eigentlich für den Kameraanschluss gedachten 1/4-Zoll-Gewinde. Sie erfordern dann beim Kopfwechsel einen Adapter, der die Stabilität nicht gerade erhöht, und der sich gern auch einmal festfrisst. In diesem Fall hat Kopf oder Stativ dauerhaft einen 1/-Zoll-Anschluss – denn meist bekommt man den Adapter nicht los, ohne das Original-Gewinde so zu beschädigen, dass es hinterher unbrauchbar ist!
Schnellwechselsystem
Sehr praktisch als Ergänzung für Stativköpfe jeder Art ist ein Schnellwechselsystem – nicht nur für Kameras, sondern auch für Zubehörteile (wie aus den oben genannten Bereichen Makro und Panorama). Sie lassen sich dann schnell in den verschiedensten Konstellationen zusammen- (oder auch wieder auseinander-) bauen. Universell und herstellerübergreifend arbeitet der Arca-Swiss-Standard.
Kamera-Auslösung
Ist die Kamera auf einem Stativ montiert, ist Verwackelungsfreiheit nicht per se garantiert. Beim Druck auf den Auslöser kann der Aufbau in Schwingung versetzt werden, was sich bei größeren Abbildungsmaßstäben (Tele oder Makro) als Unschärfe im Bild niederschlägt.
Erste Abhilfe kann der Selbstauslöser der Kamera schaffen. Er wird am besten auf 10 Sekunden gestellt, dann solten bei einem einigermaßen guten Stativ alle Schwingungen ausgeklungen sein. Bei statischen Motiven funktioniert das sehr gut, bei bewegten Szenen ist jedoch das Abpassen des richtigen Momentes sehr schwierig.
Hier helfen Fernauslöser weiter. Den Drahtauslöser aus der alten analogen Zeit gibt es nicht mehr. Moderne, digitale Kameras arbeiten ausnahmslos elektronisch: entweder über eine Kabelverbindung oder über eine Funkstrecke.
Funkauslöser haben zwar auch eine gewisse Verzögerungszeit, sie ist aber meist vernachlässigbar. Ihr Vorteil liegt darin, das wirklich absolut kein mechanischer Kontakt mehr zum Kameraaufbau nötig ist. Fotografin oder Fotograf können sich viele Meter von der Kamera entfernen. Mit vielen Systemen können zusätzlich auch Blitzgeräte ausgelöst werden. Als Nachteil ist die Abhängigkeit von Batterien oder Akkus zu nennen – und dass man mindestens zwei weitere (wenn auch sehr kleine) Geräte dabei hat, bei denen die Ausfallswahrscheinlichkeit höher ist, als bei einer einfacheren Lösung.
Aus diesem Grunde ist in meiner Ausrüstung immer auch ein kleiner Kabel-Fernauslöser als Backup dabei. Er besteht aus einem kleinen Gehäuse mit dem Auslöse-Knopf und dem Anschlusskabel; weitere Elektronik und Stromversorgung sind nicht enthalten. Interessant können eventuell auch solche Kabelfernauslöser sein, die zwar Batterien benötigen, dafür aber auch über eine Elektronik verfügen, die verschiedenste Formen der  automatischen Ansteuerung zulässt. Beispielsweise kann man damit Zeitraffer-Aufnahmen anfertigen, wenn die Kamera (wie so viele bis in die gehobene Mittelklasse hinein) über eine solche Funktion nicht verfügt. Solche Geräte gibt es u. a. von Hama oder Rollei.
Wichtig: Wenn ein Stativ benutzt wird, sollten die Bildstabilisatoren von Kamera und/oder Objektiv deaktiviert werden. Gleiches gilt auch für den Einsatz sogenannter Gimbals.
Lichtgestaltung
Irgendwann kommen jede/r Fotografierende an den Punkt, wo zusätzliches Licht nötig wird. Nicht nur, um überhaupt fotografieren zu können, sondern um die Blendenöffnung zu verkleinern (Erhöhung der Tiefenschärfe) oder die Belichtungszeit zu verkürzen („Einfrieren“ von Bewegungen); oder auch, um mit speziellen Licht-Effekten arbeiten zu können.
Blitzlicht
Normale Lampen bieten meist nicht genügend (zusätzliches) Licht. Fals doch, waren sie früher unhandlich groß und produzierten viel Abwärme. Heute hat sich die Problematik dank moderner LED-Technik entschärft – dennoch bevorzugen viele Fotografen Blitzgeräte. Hier steht gemessen an den Baugrößen enorm viel Energie (und somit Licht) zur Verfügung, wenn auch nur für den winzigen Bruchteil einer Sekunde.
Die kleinste Form eines Blitzgerätes ist oft ins Kameragehäuse integriert. Normalerweise sind diese Blitze aber so schwach, dass sie in der Praxis kaum sinnvoll einsetzbar sind. Jedes extern aufsteckbare Klein-Blitzgerät leistet i. d. R. mehr. Auch solche Blitzgeräte werden oft von den Kameraherstellern als optionales Zubehörteil angeboten. Leider wirkt dieses Original-Zubehör oft maßlos überteuert. Ein deutlich besseres Preis-Leistungsverhältnis versprechen spezialisierte Drittanbieter. Marken wie Metz genießen seit Jahrzehnten einen untadeligen Ruf. In der jüngeren Vergangenheit gesellte sich der japanische Hersteller Nissin (der auch für einige Kamerahersteller deren „Original“-Blitzgeräte entwickelt und produziert) dazu; und seit Kurzem spielen auch chinesische Anbieter wie Yongnuo oder Godox mit.
Daneben gibt es Anbieter, die sich auf Studio-Blitzgeräte spezialisiert haben. Für den Hobbyfotografen spielen sie aber eine eher untergeordnete Rolle.
In meiner eigenen Ausrüstung findet sich ein kleines, vollautomatisch mit meinen MFT-Kameras zusammenarbeitendes Nissin-Blitzgerät für unterwegs, sowie zwei weitere sehr leistungsstarke (dadurch aber auch deutlich größere), manuelle Yongnuo-Geräte. Alle kann ich bei Bedarf über Funk zusammenschalten und gemeinsam auslösen. Zusammen mit Stativen, Reflektoren und anderem Zubehör lässt sich damit im Bereich nicht zu großer Motive durchaus studioähnlich arbeiten (Produktfotografie, Portrait, Innenarchitektur im Kleinen ...).
Dauerlicht
Das Blitzlicht mag ein universeller, kleiner Begleiter sein. Für viele Dinge bevorzuge ich dennoch Dauerlicht. (Bei Videoaufnahmen ist es sowieso ohne Alternative.) Überall dort, wo Zeit keine Rolle spielt und genügend Platz zur Verfügung steht, bringt es deutlich mehr Spaß, mit dem Licht zu spielen; die Lichtquelle so lange zu verändern, bis Schattenwurf, Kontrast usw. zu 100 % passen. Wie oben erwähnt, hat die moderne LED-Technik dieser Art Beleuchtung einen enormen Fortschritt beschert. Statt einem 300-Watt-Leuchtmittel reicht nun (für wohlgemerkt gleiche Lichtstärke) ein 45-Watt-Element. Dieses hat sogar den Vorteil, gegenüber der alten Punktlichtquelle ein Flächenstrahler zu sein, das Licht ist also prinzipiell weicher. (Licht wird umso weicher, je größer die Fläche der Quelle in Relation zum Motiv ist.)
Mit zwei solchen Strahlern und den üblichen Reflektoren usw. kann ein breites Spektrum an Beleuchtungssituationen abgedeckt werden – zumindest im Bereich von bis zu etwa 1,5 m zwischen Beleuchtung und Motiv. Idealerewise betreibt man solche leistungsstarken Strahler natürlich in geschlossenen Räumen am Stromnetz. Prinzipiell ist bei den meisten jedoch optional auch mobiler Betrieb mit Batterien oder Akkus möglich.
Für den Nahbereich eignen sich natürlich auch deutlich kleinere Geräte. Dafür befinden sich in meinem Fundus zwei kleine Rollei-Geräte mit integrierten Lithium-Akkus. Ihre LEDs haben pro Gerät eine Leistung von immerhin 12 Watt, und das auf einer Fläche, die etwa der eines Smartphones entspricht (die Dicke entspricht allerdings eher 2–3 Smartphones). Auch diese kleinen Leuchten entpuppen sich immer wieder als nützliche Helfer: im Nah- und Makro-Bereich als alleinige Beleuchtung und als Hilfslichter im Zusammenspiel mit den beiden größeren Strahlern.
Weitere Hilfsmittel
Wurden oben aktive Geräte zur Lichtgestaltung vorgestellt, geht es im Folgenden um die passive Beeinflussung des Lichtflusses.


Filter
Braucht man heutzutage noch Filter? Das erledigt doch die Bildbearbeitung?
Auf diese neulich gestellte Frage antwortete ich mit einem klaren „Nein!“.
Bildbearbeitung kann in vielen Fällen (Schwarzweißfotografie beispielsweise) den Einsatz echter Filter vor dem Objektiv vermeiden helfen – aber eben nicht in allen. Als Erstes ist hier der schon unter Zubehör - 1. Teil beschriebene UV- (Schutz-) Filter zu nennen. Aber es gibt zwei weitere, die definitiv nicht softwareseitig ersetzt werden können, sondern nur direkt vor der Linse funktionieren!
Polfilter
Licht ist als elektromagnetische Welle definiert. Eine Welle schwingt in einer bestimmten Ebene. Je nachdem, woher Lichtwellen kommen, können diese Ebenen für die einzelnen Wellen, die sich am Motiv treffen, unterschiedlich ausfallen. Dem Polfilter kommt nun die Aufgabe zu, nur Wellen einer bestimmten Schwingungsebene durchzulassen. Das entfernt z. B. unerwünschte Reflexionen von vielen Materialien wie Laub, Holz, Dachziegeln, Wasser, Glas usw. (außer Metall!). Sie wirken dadurch farbkräftiger und kontrastreicher. Man kann plötzlich den Grund unter dem Wasserspiegel sehen (oder auch die Fische darin), Wolken heben sich klarer vom kräftiger blauen Himmel ab, ein Dach ist plötzlich in der Farbe seiner Dachziegeln zu sehen und der Wald zeigt sein echtes Grün.
Ein Polfilter ist immer drehbar ausgeführt, damit die durchgelassene Schwingungsebene des Lichts frei eingestellt und der Effekt damit stufenlos angepasst werden kann. Seine Wirkung kann direkt auf dem Kamera-Display oder im Sucher betrachtet werden. Einziger Nachteil des Polfilters: Das Ausblenden von Schwingungsebenen des Lichts ist letztlich Lichvernichtung. Sein Einsatz kann das Bild also um bis zu zwei Lichtwerten (also zwei Blendenstufen) abdunkeln.
Graufilter (ND-Filter)
Beim Graufilter (oder ND-Filter, mit ND von Neutral-Dichte oder neutral density) ist die „Lichtvernichtung“ seine einzige Aufgabe. Einerseits steht man beim Fotografieren halb im Dunkeln und benötigt zusätzliches Licht (oder ein Stativ), andererseits gibt es aber auch den entgegengesetzten Fall: zuviel Licht. Wenn man die Blende nicht weiter schließen kann oder möchte, wenn man die Verschlusszeit nicht weiter verkürzen kann oder möchte (oder wenn man sogar gezielt mit sehr langen Verschlusszeiten im Sekunden- bis Minuten-Bereich arbeiten möchte/muss) – immer dann kommt der Graufilter zur Lichtabschwächung zum Einsatz.
Er schluckt Licht in definierten Lichtwertstufen. In der Theorie arbeitet er für alle sichtbaren Farben gleichermaßen, in der Praxis treten jedoch meist leichte Farbstiche auf, oft ist die Farbwiedergabe sogar innerhalb einer Filterreihe eines Herstellers leicht unterschiedlich. Dies bewegt sich allerdings in Größenordnungen, die in der Raw-Entwicklung mühelos herausgerechnet werden können.
Die Kennzeichnung der Graufilter erfolgt je nach Hersteller unterschiedlich. Die einen geben die Dichte an, manche den Faktor der Belichtungszeit-Verlängerung und andere die Anzahl der Blendenstufen.
Man könnte nun fein in einzelnen Stufen abgestuft einen Satz Graufilter anschaffen. Für die Praxis ausreichend sind aber zunächst meist drei gut gewählte Stufen. Die drei Filter kann man dann zur weiteren Verstärkung des Effektes auch beliebig kombinieren. Die Tabelle zeigt die Daten für einen solchen Dreier-Satz, wie ihn einige Hersteller anbieten, und ihre Kombinationen.
 
Neutral-Dichte
Verlängerungsfaktor
der Belichtungszeit
Blendenstufen
0,9
8x
3
1,8
64x
6
0,9 + 1,8 = 2,7
8 * 64 = 512x
3 + 6 = 9
3,0
1.024x
10
3,0 + 0,9 = 3,9
1.024 * 8 = 8.192x
10 + 3 = 13
3,0 + 1,8 = 4,8
1.024 * 64 = 65.536x
10 + 6 = 16
3,0 + 0,9 + 1,8 = 5,7
1.024 * 8 * 64 = 524.288x
10 + 3 + 6 = 19
In der Praxis erweist sich diese Abstufung als ausreichend fein und der Umfang ist mit 19 Blendenstufen gewaltig. 19 Blendenstufen heißt Abschwächung des einfallenden Lichts auf 0,0005 %.
Rechenbeispiel: Mit ND3,0 und ND1,8 werden aus einer Verschusszeit von 1/250 s ungefiltert rund 262 s. Das sind knapp viereinhalb Minuten und ein guter Wert, um am Meer die Brandung optisch „glattzubügeln“.
Für die schnelle Berechnung gibt es sowohl für iPhones wie für Android-Smartphones in den jeweiligen Shops passende Apps. Natürlich kann man sich die wichtigsten Werte auch ausrechnen und in eine kleine Tabelle eintragen, die man zu den Filtern legt.
Für das Fotografieren mit Grau-Filter(n) geht man wie folgt vor:
  1. Draht- oder Funkfernauslöser an die Kamera anschließen.
  2. An der Kamera die gewünschte Empfindlichkeit einstellen.
  3. Die nötigen Belichtungsdaten ohne Filter bestimmen.
  4. Den Programmwahlschalter auf „M“ schalten und für die Verschlusszeit „Bulb“ einstellen (Details s. Kamerahandbuch).
  5. Nach Tabelle oder mit App die Ziel-Verschlusszeit berechnen.
  6. Entsprechenden Filter (oder Filterkombination) auswählen.
  7. Fokus einstellen. Die muss geschehen, bevor der Filter aufgesetzt wird, weil der Autofokus wegen der starken Lichtabschwächung sonst nicht funktioniert und u. U. nur hin und her springt, ohne den korrekten Fokus zu finden.
  8. Nach dem Einstellen auf manuellen Fokus umgeschalten, damit während des Durchdrückens des Auslösers der Autofokus seine (nicht funktionierende) Suche nicht noch einmal beginnt.
  9. Dann endlich den/die Filter aufsetzen.
  10. Ggegebenenfalls eine Zeitschaltuhr starten und die Kamera auslösen.
Die Bauform: Rund oder eckig?
Was die optische Qualität anbeglangt, ist die Bauform gleichgültig. Für beide gibt es sehr hochwertige Filter, die das Foto kaum sichtbar verschlechtern. Bei den Rechteckfiltern ist allerdings darauf zu achten, dass sie nicht aus Kunststoff bestehen – solche Filter fügen sich nicht ganz so nebenwirkuungsarm in den Strahlengang ein und verkratzen zudem sehr viel schneller.
Ansonsten sehe ich folgende Vorteile. Rundfilter sind leicht und kompakt, passen allerdings nur zu einem Objektivdurchmesser. Hat man mehrere Objektive mit unterschiedlichen Durchmessern, kauft man am besten einen Filter für den größten Durchmesser und adaptiert ihn an die kleineren Objektive mit sogenannten Step-Up-Ringen (nicht Step-Down!).
Rechteckfilter benötigen immer eine Halterung, der solche Adapter für die verschiedenen Objektivdurchmesser meist schon beiliegen. Sie sind also von vornherein universeller einsetzbar – wobei der Platzbedarf für die Halterung teils nicht unerheblich ist. Verlaufsfilter können eigentlich nur in der Rechteck-Halterung sinnvoll eingesetzt werden, weil sie hier nach Bedarf gedreht und verschoben werden können. Der Übergang zwischen hoher und geringer Filterwirkung ist also schnell und frei festlegbar.
Wenn eine Kameraausrüstung nur Objektive mit einem Linsendurchmesser von maximal etwa 82 mm hat, bietet sich ein System für Rechteckfilter mit 10 x 10 cm an, andernfalls sollten es eher 15 x 15 cm sein. Ein recht gutes, gerade noch preiswertes Filterhalter-System für 10 x 10 cm große Glasfilter bietet Rollei an. Die Filter sind von hoher Qualität, das System ist gut durchdacht und halbwegs gut verarbeitet. Der Filterhalter bietet die Möglichkeit, zusätzlich zwischen Rechteckfilter(n) und Objektiv einen runden, natürlich drehbaren Polfilter einzusetzen.



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