Spezielle Techniken - Böhmke Fotografie

Böhmke Fotografie
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Spezielle Techniken

Breit angelegte Fotoschulen reißen neben Grundlagen des Sehens und der Fototechnik durchaus auch speziellere Techniken an, gehen dabei jedoch seltener in die Tiefe. Dafür gibt es eigene Fachbücher. Für die folgenden Bereiche möchte ich hier gern solche Spezial-Fachbücher vorstellen:
Sach- und Produkt-Fotografie
In der Vergangenheit entdeckte ich immer wieder einmal Bücher für die Bereiche Objekt-, Sach- und Produktfotografie. Ich empfand sie meist als schöne, bunte Bilderbücher oder romanartige Textwüsten – beides nicht unbedingt zum systematischen Lernen geeignet. Ein neues Buch, welches das Beste aus beiden Extremen zu einem rundum gelungenen Lehr- und Nachschlagewerk vereint, möchte ich nun hier vorstellen:
 
Objektfotografie
Die große Fotoschule
Von Jürgen Herschelmann
 

 
358 Seiten, in Farbe, fester Einband
Rheinwerk, 2021
ISBN 978-3-8362-8019-8 (Print)
Print 39,90 EUR
E-Book 39,90 EUR


Anmerkung: Die digitale Ausgabe dieses Werkes erhielt ich als kostenfreies Rezensionsexemplar direkt vom Verlag. Meine Meinung zum Buch hat das in keiner Weise beeinflusst!
Gleich im ersten Kapitel des Buches Objektfotografie lassen die Empfehlungen für Kamera, Zubehör und Studio als Zielgruppe in erster Linie professionelle Fotografen vermuten. Der Autor erwähnt jedoch, dass auch mit weniger Aufwand gute Ergebnisse in der Objektfotografie erzielt werden können. Das geht bis hin zum Rat, verschiedenes Zubehör selbst anzufertigen. Pläne für solche Selbstanfertigungen fehlen zwar, aber sie hätten wahrscheinlich Umfang und Fokus des Buches gesprengt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Hilfsmittel problemlos auch ohne besondere Anleitungen realisierbar sind, wenn man über ein klein wenig Bastelerfahrung verfügt und nicht gerade mit zwei linken Händen ausgestattet ist.
Für mich ergeben sich als wichtigste Erkenntnisse aus dem Lesen des Buches: Gute Objekt-Fotos erfordern ein gut durchdachtes Arrangement der Objekte und eine kluge Lichtführung. Die für das Fotografieren benötigte technische Ausstattung muss zwar oft – dem konkreten Anwendungszweck der Fotos geschuldet – Minimalanforderungen genügen, lässt aber immer auch Variationen zu.
Das Buch eignet sich also für einen deutlich breiteren Anwenderkreis als eingangs vermutet. Die Berufsfotografin in der Werbeagentur wird angesprochen, ebenso aber auch der ambitionierten Hobbyfotograf – und sogar der Verkäufer, der gelegentlich Produkte mittels Smartphone fotografieren und auf einer Internet-Verkaufsplattform anbieten möchte.
Die große Fotoschule“ ist grob in drei Teile gegliedert. Im ersten führt Herschelmann in acht Kapiteln in das Thema Objektfotografie ein. Das geht von Aurüstung und fotografischen Grundlagen über die Lichtführung mit natürlichem oder künstlichem Licht bis hin zu spezielleren Themen. Schon hier finden sich für jeden Kenntnisstand immer wieder viele hilfreiche Praxis-Tipps. Die Objekte selbst können klein sein und die Makro-Fotografie tangieren (Schmuck, Uhren) oder aber auch groß wie ein Schrank oder ein Auto – der Schwerpunkt liegt allerdings im mittleren Bereich. Die meisten Objekte werden im Studio fotografiert, in Kapitel 6 „Objekte on location“ wird es jedoch verlassen, um sie draußen abzulichten.
Besonders spannend ist der gut 100 Seiten umfassende, mittlere Praxis-Teil mit Kapitel 9: Hier werden im Stile kleiner Workshops à zwei bis vier Seiten konkrete Aufbauten für rund 40 verschiedene Motive vorgestellt. Für jeden Aufbau gibt es detaillierte technische Daten, eine grafische Lichtset-Darstellung, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung (teils mit Tipps zur Bildbearbeitung) und natürlich das endgültige Foto. Schnelle, einfach umzusetzende Sitzungen wechseln mit komplexen, zeitlich aufwändigeren. Alle Workshops sind übersichtlich und gut verständlich aufgebaut, so dass es kaum Probleme bereiten sollte, ähnliche Situationen nachzustellen.
Schließlich widmet sich der Autor im letzten Teil mit dem Kapitel 10 noch der Bildbearbeitung mit den Standard-Programmen von Adobe. Hier geht es eher um grundlegende Arbeitsabläufe und einige Spezialitäten, als um eine breit angelegte, tiefgehende Einführung in Lightroom und Photoshop. Diese Zurückhaltung kann ich nur unterstützen, denn zum einen arbeitet nicht jeder mit den genannten Programmen und zum anderen gibt es dafür gute, spezialisierte Literatur (s. auch nächsten Abschnitt Bildbearbeitung).
Was mir im Buch ein wenig zu kurz kommt, ist die Beschreibung der Erstellung bestimmter Freisteller – und zwar solcher für beispielsweise Katalog-Fotografie, wo am Ende der Bearbeitung Objekte frei jeden Hintergrunds vorliegen müssen. Die beiden Blöcke über Freisteller in Kapitel 3 und 10.7 gehen darauf nicht detailliert genug ein; weder für die Aufnahmesitzung noch für das eigentliche Freistellen in der Bildbearbeitung. Für eine zukünftige Auflage könnte ich mir einen ergänzenden, kleinen Workshop im Praxis-Kapitel 9 „Motive“ vorstellen, über eine freizustellendes Produkt wie beispielsweise einer Kamera o. ä.
An vielen Stellen wird das Buch durch kurze Exkurse in Nebenthemen sowie Interviews mit verschiedenen Fotografinnen und Fotografen aus dem weiten Bereich der Objektfotografie aufgelockert. Der Lesefluss wird dadurch kaum gestört, aber das Buch auf eine gute Art abgerundet – mir jedenfalls gefällt es, auch einen kleinen Blick über den Tellerrand gezeigt zu bekommen! Besonders interessant fand ich den Exkurs Objektfotografie als Beruf, wo der Autor mit klaren, ehrlichen Worten den derzeitigen Zustand und Zukunftsaussichten beschreibt. Aus meiner Sicht sind seine Aussagen auf viele Bereiche der professionellen Fotografie übertragbar.
Auch Herschelmanns Sprache gefällt mir. Angenehm sachlich, ohne Ballast, lässt sich das vermittelte Wissen leicht aufnehmen. Die Anzahl der unterstützenden Abbildungen liegt für mich im idealen Bereich; so entsteht weder ein reines Foto- noch ein allzu textlastiges Buch. Über die Inhalte der Fotos ließe sich teilweise sicher streiten, ihre Qualität steht allerdings außer Frage. Man sieht ihnen immer an, dass sie mit großem Aufwand und viel Liebe zur Sache gestaltet wurden. Der Rest ist zu einem großen Teil Geschmackssache – und halt nicht immer meiner.
Das Layout, das der Verlag beisteuerte, ist rheinwerktypisch ohne Fehl und Tadel. Sehr ansprechend, mit gut lesbaren Schriften und hochwertigen, fein aufgelösten Fotos und Grafiken unterstützt es den Autor kongenial.
Die E-Book-Ausgabe (PDF) folgt dem Layout des gedruckten Buches 1:1. In die Abbildungen lässt sich bei Bedarf gut hineinzoomen, ohne dass zu früh eine Aufpixelung stattfindet. So sind bei Bildschirmfotos auch kleinere Bildschirmschriften noch gut lesbar. Sowohl auf einem großen PC-Monitor wie auch auf einem kleinen Laptop- oder Tablet-Bildschirm lässt sich das PDF angenehm lesen.
Fazit
Der Autor lüftet in seinem Werk die kleinen Geheimnisse hinter hochwertigen Objektfotos und gibt detailliert preis, wie sie entstehen.
Das macht dieses Buch zu einem wertvollen Ratgeber für alle, die in irgendeiner Form Objekte im weitesten Sinne fotografieren möchten oder müssen. Die Inhalte muten anspruchsvoll an; tatsächlich lassen sich viele Ideen jedoch auch mit einfacher Ausrüstung umsetzen. Die große Fotoschule Objektfotografie spricht ein breites Leser-Spektrum an.
Im Studio arbeitenden Berufsfotograf(inn)en wird es vielleicht nicht allzuviel Neues bieten. Als Hauptzielgruppe sehe ich ambitionierte Hobbyfotografen. Ganz besonders möchte ich es jedoch all den Verkäufer(inne)n auf Internetplattformen empfehlen, die ihre Fotos – oftmals mehr schlecht als recht – selbst erstellen. Sie können in diesem anschaulich und gut verständlich aufgemachten Werk lernen, ihre Produkte ansprechend zu präsentieren und beim potentiellen Kunden Neugier zu erwecken.
21.01.2022
Makro-Fotografie
Aus den vielen kleinen und großen Büchern zur Makro-Fotografie haben es mir zwei Bände angetan, die sich für mich vom Rest deutlich abheben. Diese anderen bleiben entweder – trotz (oder wegen) üppigster Bebilderung – an der Oberfläche, oder sie bestehen aus Sammlungen von Schritt-für-Schritt-Anleitungen, bei denen sich das große Ganze  nicht erschließt.
Außerdem hat sich 2021 noch ein wunderbares, weiteres Buch in Form eines E-Books dazugesellt (s. weiter unten).

 

 
Makrofotografie
Die große Fotoschule
Björn K. Langlotz
372 Seiten, in Farbe, fester Einband
Rheinwerk, 3. Auflage 2013
ISBN 978-3-8362-2389-8 (Print)
Print 39,90 EUR (Nur noch antiquarisch!)
E-Book 35,90 EUR




Makrofotografie
Gestaltung, Licht und Technik in Natur und Studio
Cyrill Harnischmacher
334 Seiten, komplett in Farbe, fester Einband
dpunkt, 2014
ISBN: 978-3-86490-086-0 (Print)
Print 36,90 EUR
E-Book 29,99 EUR

Unterschiedlich aufgemacht, ist beiden gemeinsam, dass sie sich sehr tiefgehend mit dem Thema auseinandersetzen. Für beide Bücher sollte man die Grundlagen der Fotografie beherrschen, denn in diese wird hier nicht eingeführt! Auf das Spezialgebiet Makrofotografie bezogen wird sowohl der Makro-Anfänger an das Thema herangeführt, wie auch der Fortgeschrittene angeregt, neue Herangehensweisen zu wagen.
Langlotz' Buch ist ein wenig text-, Harnischmachers fotolastiger. Die Fotos sind in beiden Fällen von sehr hoher Qualität und belegen das in den Texten Geschriebene sehr gut, sind also nicht nur zum Selbstzweck beigepackt. In beiden Bänden dominiert Naturfotografie, bei Langlotz noch etwas deutlicher als bei Harnischmacher. Im Gegensatz zu anderen Rezensenten sehe ich das nicht als Nachteil an, denn die Erkenntnisse (so sie sich denn beim geneigten Leser einstellen) lassen sich bequem auf andere Gebiete übertragen.
In beiden Büchern findet sich der Hinweis darauf, speziell benötigte Makro-Utensilien und -Zubehör selbst zu bauen. Vieles ist weder schwierig noch zeitaufwändig, ganz nebenbei kann man oft auch viel Geld sparen. Konsequenterweise finden sich in beiden Büchern konkrete Anregungen und Anleitungen für den Selbstbau. Kleine Anmerkung für gleichzeitig Panorama-Fotografie-Interessierte: Bei geschickter Auslegung des Makro-Zubehörs für Kamera und Stativ kann man dieses sowohl für die Makro- wie für die Panorama-Fotografie nutzen und sich als Hobby-Fotograf u. U. den Kauf eines speziellen, teuren Panorama-Kopfes ersparen! In Harnischmachers Buch findet sich zusätzlich zum reinen Fotozubehör eine umfangreiche Liste hilfreicher Utensilien für die Makrofotografie, an die man sonst oft nicht denkt.
In Langlotz' Buch finden sich zahlreiche, vom Fließtext abgesetze Blöcke mit mathematischen Grundlagen; alles sehr gut verständlich und nachvollziehbar dargeboten! Das braucht man sicher nicht jedesmal, wenn man ein gutes Makro-Foto schießen möchte, ist aber sehr hilfreich, wenn man die Makrofotografie wirklich durchschauen und die Grenzen seiner Ausrüstung verstehen möchte. Im Angebot aktueller Makrofotografie-Bücher ist die Ausführlichkeit und Tiefe dieses Bereiches zur Zeit echtes Alleinstellungsmerkmal.
Wenn ich auch unterm Strich Langlotz mit geringem Vorsprung vorne sehe, beschaffte ich mir am Ende meiner Recherche beide Bücher, weil sie sich sehr gut ergänzen.
04.09.2016
 

 
Makrofotografie
Aus Kleinem Großes schaffen
Jürgen Gulbins & Edmund Trumpp
294 Seiten, komplett in Farbe
dpunkt, 2021
ISBN PDF: 978-3-96910-244-2
E-Book 14,99 EUR

Dieses Buch gibt es aktuell zwar nur als E-Book im PDF, aber vielleicht legt es der Verlag ja zukünftig auch noch als Print auf. Zu wünschen wäre es.
Von all den vielen Makro-Büchern, die 2021 aktuell sind, ist es meiner Meinung nach das fachlich kompetenteste. Hier werden nicht nur bunte Bilder gezeigt, sondern es wird tiefgehendes Wissen um die optischen und technischen Grundlagen der Makrofotografie vermittelt. Natürlich wird das auch hier mit Hilfe guten Bildmaterials unterstützt, aber auch Grafiken, Tabellen und Formeln. Die Fotos korrespondieren immer mit dem Text, machen also aus dem Buch keinen reinen Bildband.
Die Inhalte sind sehr praxisbezogen, es finden sich viele Hinweise für eine gute technische Ausrüstung. Dabei fehlen natürlich nicht die Tipps für den richtigen Umgang damit.
Satz und Layout laden auf dem Tablet zum Lesen im Querformat ein – auch dieser Punkt ist also perfekt gelöst.
Fazit: Endlich einmal ein echtes Lehrbuch zum Thema Makrofotografie, das aus heutiger Sicht sogar die beiden oben beschriebenen Bücher schlägt; und das nicht nur, weil es für einen sehr niedrigen Preis zu haben ist.
10.05.2021
Panorama-Fotografie
Für mich ist dies das Standardwerk für alle Belange der Panorama-Fotografie:
 

 
Panoramafotografie
Digitale Fotopraxis
Thomas Bredenfeld
400 Seiten, in Farbe, fester Einband, DVD
Rheinwerk, 3. Auflage 2016
ISBN 978-3-8362-4009-3
49,90 EUR (Print)
44,90 EUR (E-Book)

Umfassend werden das nötige Zubehör, die Aufnahmetechniken und die Weiterbearbeitung am PC – samt der nötigen Software – beschrieben. Als Anfänger der Fotografie sollte man dieses Buch nicht lesen, es geht hier ausschließlich um das Spezialgebiet Panorama-Fotografie! Dieses wird jedoch in aller Ausführlichkeit behandelt und macht den Lesenden – viel begeitendes Üben vorausgesetzt – zu einem Spezialisten für dieses Thema. Bredenfeld schreibt sehr anschaulich und verständlich, die vorzügliche Bebilderung tut ein Übriges, das Verständnis zu erleichtern. Viele Hinweise auf Lieferanten erleichtern die Zubehör-Beschaffung und runden das Buch ab, das – wie von Rheinwerk gewohnt – in sehr hoher Qualität produziert wurde.
02.09.2016

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